Kieler Radsport Verein

Die Cross-DM aus der Sicht von Sebastian

Nachdem ich bereits im Herbst mit einer Teilnahme an den Hobbyrennen im Rahmen der Cross DM in Kleinmachnow geliebäugelt hatte, saß ich 10 Minuten vor Meldeschluss am 28.12 doch etwas nervös vor dem Laptop. Einerseits lief der Stevens Cup ja super. Andererseits die Verletzungspause im November und nach den Videos der Cross DM 2012 zu urteilen eigentlich ein Kurs für gute Läufer...

Naja wird schon, dachte ich mir, wobei ich beim letzten Punkt recht behalten sollte.

Als ich dann am Samstag auf der Düne stand und das Rennen der U17 verfolgte, mischten sich Vorfreude und Beklemmung gleichermaßen, denn dieser Kursabschnitt sah in Natura deutlich spektakulärer, steiler und tiefsandiger aus, als auf den verwackelten Kamerabildern. In der verregneten Startaufstellung war ich mit meiner Gefühlslage dann glücklicherweise nicht mehr alleine, denn ich erblickte im großen Fahrerpulk Viktoria, die genau wie ich keine Gelegenheit hatte, den Kurs vorher einmal abzufahren und einzustudieren. Dass es zu diesem Zeitpunkt schon so gut wie dunkel war, sollte die Sache nicht einfacher machen. Das wusste auch der Veranstalter und schickte uns auf eine verkürzte Runde ohne die lange Schleife im Wald. Im Umkehrschluss bedeutete dies jedoch auch weniger „Erholung“ zwischen den Laufpassagen auf dem Sandberg.

„Noch 30 Sekunden!“ Bei diesen Worten stieg mein Puls direkt auf 120. Kurz darauf ging’s mit Vollgas in die Schlammschlacht. Ich kam aus der zweiten Reihe optimal weg und reihte mich auf Position 2 ein, bevor es mit Bunny Hop über die Hürden ging und sauber durch die Schnecke gezirkelt wurde. Voller Elan wollte ich gerade zum Überholen ansetzen, als wir in den ersten Laufanstieg rauschten. Runter vom Bike, ab auf die Schulter und... das war’s auch schon. Ab diesem Zeitpunkt war das Rennen eine Qual, denn das ständige Gerenne brachte mich völlig aus dem Konzept. Durch die Dunkelheit und fehlende Streckenkenntnis häuften sich die Fahrfehler und als wäre das nicht genug, machte sich ab Runde 2 ein Schleicher im Vorderrad bemerkbar. Die mühsame Suche nach Grip beendete ich schließlich auf Platz 7, immerhin konnte Viktoria einen starken zweiten Platz verbuchen!

Wenige Stunden Schlaf und eine Sandladung in der Waschmaschine eines Potsdamer Kumpels später ging es wieder an die Startlinie. Immerhin erste Reihe, wieder guter Start und als zweiter auf den Kurs. Als hätte ich über Nacht das Laufen neu erlernt, konnte ich das Tempo am ersten Anstieg diesmal voll mitgehen und befand mich kurz darauf alleine an der Spitze. Aus den Fahrfehlern des Vortages gelernt konnte ich den Vorsprung zunächst konstant halten. Dennoch näherten sich zwei Fahrer von hinten, von denen ich einen in der dritten Runde ziehen lassen musste, einfach ein zu starker Läufer. Nach 4 Runden bog ich dann mit meinem Mitstreiter auf die Zielgerade ein, um den Spurt um Platz 2 zu eröffnen. Doch plötzlich war alles wieder offen! Der Fahrer vor uns wähnte sich nämlich als sicherer Sieger und trudelte, die Arme in die Höhe gereckt, Richtung Ziel. Ich gab meinem Crossbike noch einmal richtig die Sporen und fing ihn tatsächlich 3 Meter vor dem Zielstrich ab!

Ein (etwas glücklicher) Tagessieg und Platz 3. in der Gesamtwertung, damit hatte ich nach dem Rennen am Samstag wirklich nicht gerechnet. Zusammen mit Viktorias erneutem Treppchenplatz ging für den „KRV-Hobbykader“ somit ein erfolgreiches Rennwochenende mit toller Atmosphäre und ordentlich Stimmung am Streckenrand zu Ende.

Von Sebastian Hoffmann am 16.01.2019
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