Vom ersten  Vereinstraining zum  ersten  Profirennen 

2018 wurde ich durch meinen Freund André auf den KRV aufmerksam, nachdem ich mit meinem Rennrad in 4 Tagen 1000km von Kiel nach Hirtshals und wieder zurück gefahren war und der Zeitungsredakteur, der über die Reise berichtete, unaufhörlich bohrte, ob ich ncht einem Verein angehöre. Die Reise war meine erste längere Fahrt mit dem Rennrad und durchaus ein Erlebnis, etwas unmöglich scheinendes zu erreichen.

Ansonsten pendelte ich 33km pro Strecke von Kiel nach Eckernförde zur Schule. Zunächst mit einem Damen Citybike von Brekendorf nach Eckernförde und schaffte mir mit den Stravasegmenten auf dem Ascheffelkurs Herausforderungen. Völlig ahnungslos, dass ein Rennrad und Windschatten im Feld die Jagt auf den QOM doch deutlich erleichtert.Ich erinnere mich noch gut an mein erstes KRV Vereinstraining, bei dem ich drei mal abgehängt wurde und schließlich völlig verhungert (es war kaum Zeit zwischen Schule, Nachhilfe geben, dem Weg zurück nach Kiel zum Training) vor Bauchkrämpfen nicht mehr gerade vor meiner Haustür stehen konnte.  Schnell lief es aber gerade bei den Sprints deutlich besser und mein für 500,- bei ebay ersteigertes Alurad wurde durch einen Carbonrahmen von André ersetzt.  Das erste KRV Pokalrennen machte auch richtig Laune und so löste ich einige Wochen später um elf Uhr abends eine Tageslizenz für das Kieler Woche Elite Frauen Rennen am Tag darauf. Ich litt mächtig in dem Rennen, fuhr für keine einzige Prämie, attackierte mit einläuten der Schlussrunde und gewann. Obwohl es offiziell noch kein KRV Frauenteam gab, hatten meine Vereinskolleginnen natürlich einen großen Anteil an diesem Überraschungssieg. Beim nächsten Rennen, den Kriteriumsladesmeisterschaften in Flintbek, bekam ich leider erst zum Ende des Rennens von meiner Vereinskollegin Jenny erklärt, wie ein Kriterium funktioniert: Es geht hier nicht um Prämien sondern um Punkte für den Sieg bei den Zwischensprints. Die Wertungen waren zu dem Zeitpunkt bereits gelaufen. Die Schlusswertung reichte dennoch für den Sieg bei schrecklichstem norddeutschen Schmuddelwetter.  Beim Abi fehlte mir ein einziger Punkt, um direkt ins Medizinstudium zu starten. Es war mein Plan, seit dem ich drei Jahre alt bin, obwohl niemand aus meiner Familie in dem Bereich tätig ist.  Gleichzeit fühlte ich, wie sehr ich für den Radsport brenne und dass die beste Zeit, meine Limits dort auszuloten, genau jetzt ist. Ich entschloss mich ein Gapyear einzulegen und genoss neben dem Radfahren freie Zeit für mich und meine Familie, die neben Pendelzeit, Schule, bis zu 17 Nachhilfeschülern und einem körperlich durchaus anspruchsvollen Job im Reitstall in den letzten Jahren deutlich zu kurz gekommen war.  Ende des Jahres wurde das KRV Frauenteam gegründet.  2019 bekam ich ein Zeitfahrrad. Bei der ersten damit Ausfahrt wurde ich von einem Bus umgefahren. Letztendlich war nur etwas Tapete ab und die Versicherung des Busunternehmens sponserte ein neues Rad. Das Vertrauen in die Position auf dem Auflieger hatte trotzdem gelitten. Meine dritte Fahrt in der Position waren die Nordmeisterschaften in Rieps, die ich gewann und mit Jorid mit einer Sekunde Rückstand einen Doppelsieg für den KRV feierte. Am nächsten Tag klappte es auch mit dem Teamwork und Jorid gewann die Straßenmeisterschaft.  

Dann gab es für mich leider eine Saisonpause. Meine Schwiegermutter, zu der ich ein enges Verhältnis hatte, war krank. Neben kümmern und später Stunde um Stunde in Krankenhäusern zu warten, wäre vielleicht irgendwie noch Zeit für knackiges Rollentraining gewesen, ich hatte aber einfach keine Energie dafür. Einen Tag vor ihrem Tod „erlebte“ sie auf der Intensivstation André und meine Hochzeit. Eine Radsportehe - wir haben uns durch Strava kennen gelernt und uns das erste Mal auf dem Rad getroffen. Wiederum einen Tag später fing ich wieder an zu trainieren. Nach Defektpech im Bundesliga Rennen in Sebnitz konnte ich dann noch die Damen A-Klasse in Töndern, Dänemark, gewinnen, bevor die Saison offiziell vorüber war.  Ich entschied, mich ein weiteres Jahr auf den Sport zu konzentrieren. Die Zustimmung meines Umfeldes war verhalten, ein Teil meiner Familie unterstütze das Vorhaben dennoch voll und ganz.  2020 began die Saison coronabedingt spät mit einer viertägigen Rundfahrt in Dänemark, bei der ich auf der dritten Etappe auf dem untersten Treppchenplatz meine erste Champagnerdusche von einer ehemaligen World Tour Fahrerin und der fünfmaligen dänischen Meisterin auf der Bahn genoss und Platz 10 in der Gesamtwertung belegte. 13 Profifahrerinnen waren am Start.  Die Form zu meiner ersten deutschen Meisterschaft war entsprechend gut. Zu gewinnen gab es dann leider nach der ersten Rennstunde nur einen Hubschrauberflug ins Krankenhaus und Zeit zum nachdenken. Warum mache ich das? Was bin ich bereit zu investieren?  Mein Kinn wurde mit 12 Stichen genäht und die Frontzähne sind auch nicht mehr echt. Ich hatte lange Probleme mit meiner linken Hand und Rückenschmerzen, wobei ich unverzichtbare Hilfe vom Gettorfer Chiropraktor Lars Löptien erhielt. Zudem war ich überwältigt, wie sehr ich doch schon Teil der Radsportfamilie war, wie viele Nachrichten mit Genesungswünschen mich erreichten. Nach 3 Wochen „Strohhalmdiät“ (die Lippe war auch von innen aufgeplatzt und die Reste der Zähne unglaublich empfindlich) saß ich wieder auf der Rolle.  Für mich war der Sturz das entscheidende Erlebnis, mich endgültig von der gesellschaftlichen Norm "to do something to fall back on" zu trennen. Ich war mir nun endgültig bewusst, dass ich die Rennen, die ich sonst im Fernsehen schaue, selbst erleben möchte, was auch immer ich dafür investieren muss. Für das Gefühl, etwas unmöglich scheinendes zu erreichen, aus Faszination für das taktische Spiel der Straßenrennen, für den meditativen Zustand der Zeitfahren, um viel Zeit in guter Gesellschaft draußen zu verbringen und die kleinen Wunder der Natur zu stetig zu schätzen zu wissen.  Parallel arbeite ich in einem Kieler Krankenhaus, um mit dem Pflegepraktikum einen weiteren Schritt in Richtung Medizinstudium zu gehen. Der Berufswunsch ist nach dem Erlebnissen in der Klinik, besonders im OP, weiter gefestigt worden und wird einen Platz in meinem Leben finden, sobald das radsportliche Limit erreicht ist.  Der Schichtdienst lässt sich nur schwer mit dem Training vereinbaren und so nahm ich eine Teilzeitstelle bei My Boo bzw. dem Küstenrad an, wo ich in Beratung und Vertrieb meine Liebe zum Fahrrad verbunden mit nachhaltiger Alltagsmobilität mit Kollegen und Kunden für E-Lastenräder, Kinderräder, Bambusfahrräder, Falträder und Ebikes teile. Die Saison 2021 lief holprig an. Der "Dachschaden" vom Sturz war größer als gedacht. Die Form stimmte trotz umfangreichen und intensiven Wintertraining auch nicht so wie gewünscht. Unterschiedliche restriktive Ernährungsstrategien funktionierten immer nur temporär. Nicht der größte Reiz bringt den größten Nutzen, nicht im Training und nicht beim Essen. Mit etwas Rennroutine und Unterstützung meiner Ärztin Marie Prüßmann in Kooperation mit Supersapiens zu einem gesunden Essverhalten ging es in die richtige Richtung. Sechs mal oberste Treppchenstufe, fünf mal Podium und neun mal top ten machte mich mehr als zufrieden mit der Saison. Teamhighlights waren sicherlich der Sieg der Straßennordmeisterschaften und der vierte Platz im Bundesliga Mannschaftszeitfahren. Auch wenn ich allein unterwegs war, fühlte ich mich in Dänemark und Schweden stets willkommen.  Bei der Postnord U6 cycle Tour in Tidaholm, Schweden, freundete ich mich mit Nathalie Säfsten an. Die Suche nach einer neuen Herausforderung mit einem neuen Team für 2022 gestaltete sich langwierig. Viele Absagen, viele gar nicht erst beantworte Mails. Schnell realisierte ich: für "wünsch dir was" gibt es zu viele gute Fahrerinnen oder zu wenig Teams. In einem Zeitfahren in Dänemark stürzte ich in einer nassen Kurve und landete mit Gips an der linken Hand auf der Rolle. Fuhr dort die Zwift Academy, ein Casting Programm des Teams Canyon Sram. Kurz vor Ende des Programms erreichte eine Mail, ich sei unter den besten 15 der knapp 200.000 Teilnehmer. Fragen wie „würdest du deinen Job kündigen und nach Girona ziehen“ brachten mich zum Nachdenken über grundsätzliche Wertvorstellungen. Ich beantwortete die Fragen wahrheitsgemäß und wurde nicht unter die besten fünf fürs Finale gewählt, bei dem eine Fahrerin einen Vertrag mit dem Team erhält. Mehr oder weniger gleichzeitig kam die Zusage des belgischen Teams Bingoal WB Ladies, in dem auch meine neue schwedische Freundin Nathalie fährt und den Kontakt hergestellt hatte. Aus meiner Sicht der perfekte nächste Schritt. Die UCI Rennen vorrangig in Belgien und Frankreich werden herausfordernd genug. Der Teamspirit stimmt. Die Struktur des Teams auch: es gibt ebenfalls ein Männer-, Development- und Parateam. Ich kann in rennfreier Zeit für meine Familie da sein, muss die Kunden und Kollegen nicht vermissen und der Druck von außen ist nicht zu groß. Ich danke dem KRV, meinen Teamkolleginnen und allen Unterstützern von ganzem Herzen für die unvergessliche gemeinsame Zeit und auch die materielle Unterstützung. Die Saison 2022 kann kommen und gemeinsames Training natürlich trotzdem weiterhin auch! 

Von Pia Stender am 03.11.2021
Velocenter Kiel
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